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Geht unter die Haut:
Die Krätze (Skabies)

Krätze – allein das Wort lässt viele Menschen schaudern. Es klingt nach finsterem Mittelalter, nach verdreckten Kleidern, ungewaschenen Leibern und Verwahrlosung. Aber heutzutage, hierzulande? Unvorstellbar! Viele wissen nicht, dass die Krankheit auch in Deutschland nie ganz von der Bildfläche verschwunden ist. Und dass Krätze mit mangelnder Hygiene meist gar nichts zu tun hat. Die Erkrankung geht im wahrsten Sinne „unter die Haut“, denn die Parasiten bohren sich in die oberen Hautschichten, wo Wasser und Seife ihnen nichts anhaben können. Selbst heiße, stundenlange Vollbäder überleben die Plagegeister in ihrem sicheren Versteck völlig unbeschadet. Doch der Reihe nach …

Was juckt´s mich?

Die Krätze (medizinisch Skabies) ist eine Hautkrankheit, die durch Milben (gehören wie die bekannteren Zecken zu den Spinnentieren) verursacht wird. Die Erkrankung selbst ist eigentlich ungefährlich, aber im höchsten Maße unangenehm: „Krätze“ kommt von kratzen und so ist das Hauptsymptom der Erkrankung ein häufig als unerträglich empfundener Juckreiz, mit dem extremen Bedürfnis, sich fortwährend zu kratzen.

Die Milben-Weibchen (sie werden bis zu einem halben Millimeter groß und sind manchmal mit bloßem Auge zu erkennen) graben für die Eiablage zentimeterlange, gewundene Bohrgänge in die Haut. Warme Körperstellen mit dünner Hornschicht sind dabei die idealen Brutstätten für die Missetäter: Die zarte Haut der Handgelenke, Ellenbogen und Achselhöhlen, sowie die Haut zwischen den Fingern und Zehen oder um die Brustwarzen, aber auch der Bereich um den Schwanzschaft und den Anus werden bevorzugt besiedelt. An diesen Stellen kommt es zu stecknadelkopfkleinen roten Knötchen und Pusteln in Verbindung mit einer schuppig krustigen Haut.
Bis sich der verräterische Juckreiz einstellt, vergehen bei einem Erstbefall üblicherweise etwa vier Wochen. Man kann die Krätze daher auch weitergeben, selbst wenn noch keine Krankheitszeichen zu erkennen sind.

Im Grunde sind die Symptome der Krätze eine allergische Reaktion: Die Ausscheidungsprodukte der Tiere zerfallen in der Haut. Das löst eine Überreaktion des Immunsystems aus. Da die allergenen Stoffe vor allem bei Wärme entstehen, verstärkt sich das Jucken nachts unter dem muckeligen Plümo. Oftmals der Beginn eines wahren Teufelskreises, denn das ständige Kratzen schädigt die Haut, was wiederum weiteren Juckreiz auslöst. Durch das Kratzen können sich in die kleinen Wunden zusätzlich Pilzen und Bakterien einnisten, was zu ernsten Infektionen führen kann.

Harte Fakten und dunkle Ziffern

Belastbare Zahlen zur Häufigkeit der Krätze sucht man vergebens, laut Robert-Koch-Institut existiert noch nicht einmal eine grobe Schätzung. Allerdings sind die ärztlichen Verordnungen für das bekannteste Skabies-Mittel seit 2012 deutlich gestiegen. Mehr als 100.000-mal wurde es 2014 vom Arzt verschrieben, eine Steigerung um mehr als 30 Prozent innerhalb der letzten beiden Jahre. Neben dem Marktführer Infectoscab® gibt es aber noch weitere Medikamente und etliche Patienten werden mit speziell angefertigten Rezepturen behandelt. Dunkelziffer unbekannt!

Wie holt man sich denn sowas?

Sich vor Krätze zu schützen, ist schwierig. Schon die Übertragung eines einzigen begatteten Milbenweibchens reicht mitunter aus, um die Erkrankung auszulösen. Die Krätzemilben werden fast immer direkt von Mensch zu Mensch durch engen, intensiven Körperkontakt übertragen. Also beispielsweise beim gemeinsamen Knuddeln, Kosen, Kuscheln und natürlich beim Sex (…daher zählt die Skabies auch zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen!). Einfaches Händeschütteln und kurze Umarmungen reichen in der Regel für einen Wirtswechsel nicht aus. Dass man sich ansteckt, weil in der Garderobe zwei Jacken dicht beieinander hängen oder weil man beim Shoppen eine neue Jeans anprobiert, ist extrem unwahrscheinlich. Denn entzieht man den Milben die Körperwärme und Nahrung sind sie nur begrenzt aktiv und überlebensfähig.

Behandlung: Cremen, Waschen, Einfrieren!

Ein Krätze befall ist für die meisten Betroffenen eine ziemlich peinliche Angelegenheit. Muss es aber nicht! Denn die Erkrankung zieht sich quer durch alle Bevölkerungsschichten und -gruppen und hat nicht zwingend etwas mit mangelnder Hygiene zu tun.
Die Behandlung ist denkbar einfach und wirksam: Mit einem Insektizid in Form einer Creme oder Lotion (meist mit dem Wirkstoff Permethrin) werden die Milben auf der Hautoberfläche abgetötet. Da die unliebsamen Untermieter ziemlich widerstandsfähig sind, muss das Mittel eine Zeit lang auf der Haut bleiben bevor es unter der Dusche gründlich abgespült wird. Je nach Präparat wird die Prozedur ein- oder zweimal wiederholt. Nach erfolgreicher Behandlung hält in vielen Fällen der rote, juckende Ausschlag aber noch einige Tage bis Wochen an (so genanntes postskabiöses Ekzem, man ist dann aber nicht mehr ansteckend!). Zur Linderung des Juckreizes kann der Arzt eine kortisonhaltige Salbe verschreiben.
Sexpartner, aber auch beispielsweise WG-Mitbewohner, sollten sich ebenfalls behandeln lassen, um zu verhindern, dass die Parasiten immer wieder hin- und herwechseln. Kleidung und Bettwäsche sollte man bei mindestens 60 Grad waschen. Empfindliche Kleidungsstücke und das Lieblings-Plüschtier kann man 14 Tage lang in einen Plastiksack packen, um die Milben auszuhungern, auch Einfrieren ist eine Möglichkeit. Polstermöbel und Betten mehrfach gründlich staubsaugen und/oder mit einem Permethrin-haltigen Spray behandeln.

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